Martin Luther persönlich führt uns durch „seine“ Veste Coburg

Die „Fränkische Krone“ – wie die Veste Coburg auch bezeichnet wird – thront in der Tat weithin sichtbar über der Stadt Coburg und ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt, sondern des gesamten Coburger Landes. Man sagt, ein Coburger fühle sich dann nach einer langen Reise wieder richtig zuhause, wenn er auf dem Heimweg seine Veste wieder erkennt. Das ist besonders in der Nacht unschwer von Autobahn und Bundesstraßen aus möglich, weil der mächtige Bau wunderschön illuminiert wird. Natürlich erklimmen auch wir dieses Wahrzeichen der Stadt und lassen uns sogar von Martin Luther höchstpersönlich durch sein zeitweises Zuhause führen.

Sie sind jetzt verblüfft? Wir nicht. Aber nur, weil man uns über den Aufenthalt des großen Reformators im Jahr 1530 in Coburg  bereits im Vorfeld ausführlich informiert hat… Nun also: Martin Luther alias Thomas Lessig, wie er sich heute im bürgerlichen Leben nennt, führt uns also durch seine Räumlichkeiten. Immerhin gibt es ein extra Luther-Zimmer auf der Veste Coburg. Für uns nimmt sich der mittelalterliche Gelehrte sehr viel Zeit und berichtet uns aufgeschlossen von seinen Erlebnissen im Coburger Land. Am Karfreitag im Jahr 1530 sei er mit 200 Edelleuten, Rittern und Gefolge zusammen mit den Theologen Philipp Melanchton und Justus Jonas durch das Spitaltor nach Coburger eingezogen. Muss also schon ein richtiges Spektakel gewesen sein. Frank und frei räumt Luther auch den Grund für die Rast ein: „Ich stand unter Reichsacht und durfte daher unter Androhung höchster Strafen nicht weiter nach Augsburg reisen.“ Naja, ehrlich ist er ja. Immerhin. Er verlangt ja auch von uns, nicht zu lügen. Coburg dagegen sei als Teil des Kurfürstentums Sachsen sicheres Territorium für ihn gewesen. „Und daher ließ ich mich hier für fast sechs Monate in Sicherheit nieder.“ Den Weg durch den Hofgarten scheint er müheloser als wir zurückgelegt haben. Denn er erinnert sich noch genau an seine Begrüßungsworte am Burgtor:  „Es ist ein überaus reizender und für Studien geeigneter Ort hier.“ Und so habe er in seinen Räumen zahlreiche Bekenntnis- und Streitschriften verfasst und  Übersetzungsarbeiten geleistet. Mit stolzer Brust berichtet er: „Meine literarische Tätigkeit in Coburg war äußerst umfangreich. Ich schrieb mehr als 120 Briefe in 172 Tagen an meine Freunde in Augsburg, wie auch an meine Familie in Wittenberg.“ Was wir allerdings überhaupt nicht nachvollziehen können, ist seine Klage über angeblich störende kreischende Dohlen. Aber auf unser Kopfschütteln und Unverständnis reagiert Martin Luther souverän: Er faltet die Hände und blickt zum leisen Gebet gen Boden…

Wir versöhnen uns wieder mit dem großen Gelehrten – man kann ja nie wissen… – und bekommen somit noch eine persönliche Führung durch die Kunstsammlungen, die Waffenbestände und die herzöglichen Räumlichkeiten. Die Ausstellungen sind absolut beachtlich. Hier kann man in der Tat Tage und Woche verbringen und sich weiterbilden.

Die unendliche Wissensquelle Wikipedia sagt folgendes zur Veste Coburg: „Die Veste Coburg (auch Fränkische Krone genannt) überragt die Stadt Coburg im bayerischen Grenzgebiet zu Thüringen. Sie ist mit einer Ausdehnung von ca. 135×260 Metern eine der größten und zählt zu den am besten erhaltenen Burganlagen Deutschlands. … Am Hang des Burghügels erstreckt sich in Richtung Stadt der Coburger Hofgarten. Die Veste Coburg wurde in ihrer Geschichte niemals erobert, allerdings wurde sie im Dreißigjährigen Krieg im März 1635 … nach fünfmonatiger Belagerung mit Hilfe eines gefälschten Briefs … eingenommen. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Veste Coburg im Jahre 1225 als Besitz der Herzöge von Meranien, die ältesten heute noch erhaltenen Teile der Burg stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Archäologische Untersuchungen verlegen die Ursprünge zurück in das 10. Jahrhundert, es sind aber weder Bauten noch Schriftstücke erhalten. Erzbischof Anno von Köln gründete 1074 auf dem Veste-Berg das Nebenkloster Sankt Peter und Paul, Propstei des Klosters in Saalfeld. Im 12. Jahrhundert ging der Besitz an die Grafen von Dießen-Andechs, die späteren Herzöge von Meranien, über, 1248 an die Grafen von Henneberg, 1291 an die Markgrafen von Brandenburg und 1312 erneut an die Grafen von Henneberg. 1353 kam sie durch Erbschaft an Friedrich III. den Strengen aus dem Hause Wettin, in dessen Besitz sie bis zum Ende der Monarchie 1918 blieb. Danach übernahm sie 1919 die Coburger Landesstiftung, die die Veste seit 1941 als Außenstelle der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung betreut.“

Heute befinden sich auf der Veste die Kunstsammlungen Coburg, die in den verschiedenen Gebäudetrakten interessante Ausstellungen präsentieren:

  • Gemälde und Skulpturen (u.a. mit Werken von Lucas Cranachs des Älteren und von Tilman Riemenschneider
  • Kupferstichkabinett mit rund 330.000 Blättern mit Aquarellen, Handzeichnungen und Druckgraphiken vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart
  • Glassammlung mit ca. 2700 kostbaren Gläser mit Schwerpunkt venizianische Glaskunst
  • Münzkabinett mit ungefähr 20.000 Exemplaren
  • Rüstungs- und Waffensammlung mit Teilen der fürstlichen Rüstkammer
  • Prunkwagen und Turnierschlitten

 


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